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02.03.11

Permalink 23:14:24, von Roland Herrig E-Mail , 127 Wörter   German (DE)
Kategorien: Persönliches, Netz und Computer

... und tschüss!

Liebe Freunde, liebe Geschwister, liebe Leser,

dieses Blog ist vor fünf Jahren als Teil meiner Tätigkeit in Augustusburg, Erdmannsdorf und Hohenfichte entstanden.

Es ist in den vergangenen Jahren Verschiedenes gewesen: Ein Stück persönliches Aushängeschild, zwischenzeitlich eine Plattform auch für theologische und (kirchen-)politische Überlegungen, zuletzt Adventskalender und Grußkarte.

Heute schließe ich dieses Blog. Es wird weiterhin unter seiner bekannten und etwas umständlichen Adresse zugänglich sein. Der Link auf der Website der Kirchgemeinde Augustusburg ist – zurecht – verschwunden.

Ich werde aber auch weiterhin bloggen. Und zwar als Inselpfarrer von Teneriffa. (Nicht mehr mit b2evolution auf dem eigenen Webspace, sondern mit blogger, der komfortablen Blogplattform von Google.)

Ich wünsche allen Lesern Gottes Segen.

Ihr bzw. Euer Roland Herrig

16.01.11

Permalink 21:17:27, von Roland Herrig E-Mail , 352 Wörter   German (DE)
Kategorien: Persönliches

Ein Sonntagnachmittag in Spanien

Strandkiosk in Málaga

Würden Sie in so einem schäbigen Strandkiosk zum Essen einkehren? Nein? – Wenn Sie das nächste Mal nach Spanien kommen, vielleicht sogar in die Nähe von Málaga, dann sollten Sie das unbedingt tun, am besten an einem sonnigen Sonntagnachmittag mit frühlingshaften Temperaturen.

Und dann bestellen Sie Fisch! Eine frisch gegrillte Seebrasse, die vielleicht vor Ihren Augen am Holzgrill zubereitet wird, oder einen Teller fritura, eine bunte Mischung von fritiertem Fisch und Meeresfrüchten, wenn Sie das mögen. Und dazu eine caña, ein frisch gezapftes Bier. An der frischen Luft schmeckt das ausgezeichnet.

Wenn Sie Glück haben, erleben Sie einen gut gelaunten Wirt (oder Kioskbesitzer), der beim Servieren singt, zum andalusischen Radioprogramm Flamenco tanzt und mit den Gästen scherzt.

Lassen Sie sich Zeit und beobachten Sie die Menschen rundherum, die den Sonntag genießen: Jogger, die die Strandpromenade entlanglaufen, Skater, Radfahrer, Spaziergänger.

Am Nebentisch nehmen vielleicht Mutter, Tochter und Enkelin gemeinsam Platz, trinken zusammen eine Fanta, essen ein Eis. Klein-Marina hat ihren Roller mit. Klein-Alberto vom Nachbartisch möchte ihn auch gerne mal haben. Für einen kurzen Augenblick gibt es ein paar Tränen, aber Alberto tut es leid, und Marina darf wieder ihren Roller haben. Wenig später möchte sie dann sowieso lieber im Sand sitzen und ihn sich im Haar verteilen. Die Mutter macht mal kurz eine drohende Handbewegung. Aber eigentlich ist alles gar nicht schlimm.

Sie staunen, wie viele junge Menschen an so einem Sonntagnachmittag unterwegs sind. Und wie die ältere Generation einfach mit dazugehört. Auch am übernächsten Tisch ist der Opa mit dabei. Und auf der Promenade führt eine junge Frau ihren alten Großvater, der offenbar nicht mehr viel sieht, aber neben dem Strandkiosk stehen bleibt und auf die Musik und die Stimmen hört.

Wir haben selten so einen entspannten und harmonischen Nachmittag erlebt wie heute – an solch einem Strandkiosk.

Und als ich vor dem Gehen die Kamera zückte, da musste der lustige Wirt unbedingt auch noch mit Andrea ins Bild:

Andrea und der Wirt

Und noch ein romantisches Bild zum Schluss:

Strandkiosk in Málaga

Viva España!

24.12.10

Permalink 00:00:10, von Roland Herrig E-Mail , 59 Wörter   German (DE)
Kategorien: Kirchengebäude, Persönliches

Adventskalender (24): Die Weihnachtskrippe

Wer heute in die Augustusburger Kirche kommt, hat es ein bisschen schwer, einen guten Blick auf unsere gute, alte geschnitzte Holzkrippe zu erhaschen. Ich habe sie fotografiert, und selber über manche Details gestaunt, als ich mir die Bilder angesehen habe. (Wie immer kann man sie zum Vergrößern anklicken.)

Ich wünsche allen Lesern dieses Blogs ein segensreiches Christfest.

23.12.10

Permalink 00:00:10, von Roland Herrig E-Mail , 628 Wörter   German (DE)
Kategorien: Kultur und Geistesleben, Persönliches, Glaube

Adventskalender (23): "Morgen, Kinder, wird's was geben"

Wie sich das Weihnachtsfest im Laufe der Zeit verändert hat, zeigt auch das bekannte Kinderweihnachtslied Morgen, Kinder, wird's was geben. Es stammt in etwa aus derselben Zeit, wie Schleiermachers "Weihnachtsfeier", von der gestern die Rede war.

Morgen, Kinder, wird’s was geben,
Morgen werden wir uns freun;
Welch ein Jubel, welch ein Leben
Wird in unserm Hause sein!
Einmal werden wir noch wach,
Heißa, dann ist Weihnachtstag!

Wie wird dann die Stube glänzen
Von der großen Lichterzahl,
Schöner als bei frohen Tänzen
Ein geputzter Kronensaal!
Wißt ihr noch vom vorgen Jahr,
Wie’s am Weihnachtsabend war?

Wißt ihr noch mein Reiterpferdchen,
Malchens nette Schäferin?
Jettchens Küche mit dem Herdchen
Und dem blank geputzten Zinn?
Heinrichs bunten Harlekin
Mit der gelben Violin?

Wißt ihr noch den großen Wagen
und die schöne Jagd von Blei?
Unsre Kleiderchen zum Tragen
Und die viele Näscherei?
Meinen fleißgen Sägemann
mit der Kugel untendran?

Welch ein schöner Tag ist morgen,
Viele Freuden hoffen wir!
Unsre lieben Eltern sorgen
Lange, lange schon dafür.
O gewiß, wer sie nicht ehrt,
Ist der ganzen Lust nicht wert!

Für mich gehört es mit zu den vielen Liedern, dich ich als Kind auswendig gelernt habe. Obwohl es ein Kinderlied ist, war für mich vieles auch an diesem Lied nicht ohne weiteres verständlich. Das zeigt, wie anders Weihnachten und überhaupt unsere Lebenswelt vor rund 40 Jahren war.

"Ein geputzter Kronensaal" – darunter konnte ich mir wenig vorstellen. Auf jeden Fall musste es ein großer, heller Raum sein, anders als unsere kleine, enge Weihnachtsstube. Das Lied ist also eher im großbürgerlichen Milieu eines vergangenen Jahrhunderts zu Hause. Und wahrscheinlich ist es immer schon eine Minderheit gewesen, die Weihnachten so erlebt hat.

Kurios mutete auch die Aufzählung der Geschenke an: Das "Reiterpferdchen" war noch am ehesten vorstellbar. Was eine "schöne Jagd von Blei" sein mochte, blieb mir lange schleierhaft. Denn Spielzeug aus Zinn oder Blei, das gab es zu meiner Zeit nicht mehr. Immerhin, "Kleiderchen zum Tragen und die viele Näscherei", das kannte ich auch. – Wobei für mich Kleidung nie so was Tolles war. Wenn ich was anzuziehen brauchte, bekam ich es auch so. Und Näscherei war zwar nett, aber auch sehr vergänglich. Ich bevorzugte eindeutig Spielzeug. Dazu gehörte im Lied sicher auch der "fleiß'ge Sägemann mit der Kugel unten dran". Das klang lustig, vorstellen konnte ich mir das auch nicht so richtig. Wahrscheinlich muss man sich darunter eine Spielfigur vorstellen, die sich mittels einer schweren Schwungmasse, der "Kugel unten dran", hin- und herbewegte und so die Sägebewegung ausführte. Naja, auf die Dauer auch eher langweilig ... Unser Spielzeug und dann erst das Spielzeug unsrer Kinder war auf jeden Fall aufregender.

Am Ende lief alles auf den erhobenen Zeigefinger hinaus: "Unsre lieben Eltern sorgen, lange, lange schon dafür. / O gewiss, wer sie nicht ehrt, ist der ganzen Lust nicht wert." – Wie wir erzogen worden sind, war das für uns sehr einsichtig. Heute sehe ich das etwas anders: Die Weihnachtsfreude und die Liebe, die wir empfangen, sind bedingungslos. So ist das jedenfalls bei Gott. Er ist nicht nur zu denen gekommen, die ihn verehrt haben, sondern zu denen, die ihn nicht gekannt und ihn abgelehnt haben.

Unsere Gemeindepädagogin, Mandy Trompelt, schrieb vor ein paar Tagen ein schönes, passendes Erlebnis dazu:

Gestern beim Eisbaden: Zu mir kommt kein Weihnachtsmann, ich bin sowieso nicht brav gewesen. Ich antwortete darauf (ehrlicherweise der Heilige Geist durch mich): Da bin ich besser dran, zu mir kommt das Christkind und das kommt gerade weil ich nicht brav bin und bringt mir deshalb das größte Geschenk: Ich darf in den Himmel kommen.

22.12.10

Permalink 00:00:10, von Roland Herrig E-Mail , 988 Wörter   German (DE)
Kategorien: Kultur und Geistesleben, Persönliches, Glaube

Adventskalender (22): "Die Weihnachtsfeier"

Weihnachten, wie wir es feiern, ist noch nicht so alt. Adventskranz, Lichterbaum und geschmückte Stuben, das festliche Beieinander im Kreise der Familie, all das entstammt der Bürgerlichkeit des 19. Jahrhunderts.

Am Anfang jenes Jahrhunderts schrieb der große Theologe, Philosoph und Romantiker Friedrich Schleiermacher ein kleines Büchlein unter dem Namen "Die Weihnachtsfeier". Dieses Büchlein lässt uns gewissermaßen einen Blick in die Entstehung des bürgerlichen Weihnachtsfestes tun. Wobei Schleiermacher freilich nicht erzählt, wie es damals wirklich war, sondern er entwirft ein Ideal, wie er sich ein Weihnachtsfest im Kreise von gebildeten Freunden vorstellt.

Was wir da antreffen, ist eine gehobene Stimmung, Weihnachtsschmuck, wobei ihm ganz offensichtlich auch so etwas wie ein erzgebirgischer Weihnachtsberg mit vielen bewegten Szenen vor Augen stand, ein Kind, Sophie, das Geschenke empfängt, und die Erwachsenen mit Klavierspiel erfreut, und dann diese Erwachsenen selber, drei Ehepaare.

Das Büchlein hat kaum eine Handlung. Im Mittelpunkt stehen geistreiche Überlegungen und Gespräche. Und offensichtlich gehört auch das zu Schleiermachers Ideal: Die Gespräche sind kein ungeordnetes Drauflosreden, sondern man kommt überein, das Weihnachtsfest, seine Form und seinen Inhalt von verschiedenen Gesichtspunkten her in einzelnen Reden zu betrachten. Die Männer stellen dabei verschiedene, teils auch skeptische Überlegungen zur Bedeutung des Festes an. Schleiermacher verpackt darin bestimmte theologische Standpunkte, die für ihn später noch wichtig werden. Die Frauen erzählen aus ihren Erinnerungen. Und gerade darin schwingt ganz stark das romantische Verständnis der Religion mit, das Schleiermacher sechs Jahre zuvor in seinen berühmten Reden über die Religion formuliert hatte: Religion ist Sinn und Geschmack fürs Unendliche, ist Anschauung und Gefühl.

Am berührendsten ist ihm dabei wohl die Erzählung Ernestines geraten, die ich heute hier zitieren möchte:

Zu Hause waren dem fröhlichen Feste allerlei trübselige Umstände vorhergegangen, die sich nur kurz zuvor ziemlich glücklich aufgelöset hatten. Es war daher weniger und bei weitem nicht mit so viel Liebe und Fleiß als gewöhnlich für die Freude der Kinder gesorgt worden. Dies war eine günstige Veranlassung, um einen Wunsch zu befriedigen, den ich schon ein Jahr früher, aber vergeblich geäußert hatte. Damals nämlich wurden noch in den späten Abendstunden die sogenannten Christmetten gehalten und bis gegen Mitternacht unter abwechselnden Gesängen und Reden vor einer unsteten und nicht eben andächtigen Versammlung fortgesetzt. Nach einigen Bedenklichkeiten durfte ich wohlbegleitet mit dem Kammermädchen der Mutter zur Kirche fahren. Ich weiß mich nicht leicht einer so gelinden Witterung um diese Zeit zu erinnern als damals. Der Himmel war klar und doch der Abend fast lau. In der Gegend des fast schon verlöschenden Christmarktes trieben sich große Scharen von Knaben umher mit den letzten Pfeifen, Piepvögeln und Schnurren, die um einen wohlfeilen Preis losgeschlagen wurden, und liefen lärmend auf den Wegen zu den verschiedenen Kirchen hin und her. Erst ganz in der Nähe vernahm man die Orgel und wenige unordentlich begleitende Stimmen von Kindern und Alten. Ohneracht eines ziemlichen Aufwandes von Lampen und Kerzen, wollten doch die dunklen, altersgrauen Pfeiler und Wände nicht hell werden, und ich konnte nur mit Mühe einzelne Gestalten herausfinden, die nichts Erfreuliches hatten. Noch weniger konnte mir der Geistliche mit seiner quäkenden Stimme einige Teilnahme einflößen; und ich wollte eben ganz unbefriedigt meine Begleiterin bitten zurückzukehren und sah mich nur noch einmal überall um. Da erblickte ich in einem offenen Stuhl, unter einem schönen alten Monument, eine Frau mit einem kleinen Kinde auf dem Schoß. Sie schien des Predigers, des Gesanges und alles um sie her wenig zu achten, sondern nur in ihren eigenen Gedanken tief versenkt zu sein, und ihre Augen waren unverwandt auf das Kind gerichtet. Es zog mich unwiderstehlich zu ihr, und meine Begleiterin mußte mich hinführen. Hier hatte ich nun auf einmal das Heiligtum gefunden, das ich so lange vergeblich gesucht. Ich stand vor der edelsten Bildung, die ich je gesehn. Einfach gekleidet war die Frau, ihr vornehmer, großer Anstand machte den offnen Stuhl zu einer verschlossenen Kapelle; niemand hielt sich in der Nähe und dennoch schien sie auch mich nicht zu bemerken, da ich dicht vor ihr stand. Ihre Miene schien mir bald lächelnd, bald schwermütig, ihr Atem bald freudig zitternd, bald frohe Seufzer schwer unterdrückend, aber das Bleibende von dem allem war freundliche Ruhe, liebende Andacht, und herrlich strahlte diese aus dem großen schwarzen, niedergesenkten Auge, das mir die Wimpern ganz verdeckt hätten, wenn ich etwas größer gewesen wäre. So schien mir auch das Kind ungemein lieblich, es regte sich lebendig, aber still und schien mir in einem halb unbewußten Gespräch von Liebe und Sehnsucht mit der Mutter begriffen. Nun hatte ich lebendige Gestalten zu den schönen Bildern von Maria und dem Kinde; und ich vertiefte mich so in diese Phantasie, daß ich halb unwillkürlich das Gewand der Frau an mich zog und sie mit bewegter, sehr bittender Stimme fragte: "Darf ich wohl dem lieblichen Kinde etwas schenken?" Und so leerte ich auch schon einige Händchen voll Näschereien, die ich zum Trost in aller etwaigen Not mitgenommen, auf seine Bedeckungen aus; die Frau sah mich einen Augenblick starr an, zog mich dann freundlich zu sich, küßte meine Stirn und sprach: "O ja, liebe Kleine, heute gibt ja jedermann, und alles um eines Kindes willen." Ich küßte ihre um meinen Hals gelegte Hand und ein ausgestrecktes Händchen des Kleinen und wollte schnell gehn, da sagte sie: "Warte, ich will dir auch etwas schenken; vielleicht kenne ich dich daran wieder." Sie suchte umher und zog aus ihren Haaren eine goldene Nadel mit einem grünen Stein, die sie an meinem Mantel befestigte. Ich küßte noch einmal ihr Gewand und verließ schnell die Kirche mit einem vollen, über alles seligen Gefühl.

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